Bad, Eisen und Heilung
Das historische Baderhandwerk wird mit Zuber, Rasur und zeittypischer Körperpflege dargestellt. Dabei geben wir Einblicke in medizinische Praxis, Hygienevorstellungen und Alltagskultur vergangener Jahrhunderte.
Unser Badermeister Hans Wymundt, dargestellt von unserem Mitglied Teddy, legt besonderen Wert auf handwerkliches Geschick im Umgang mit historischem Werkzeug sowie auf eine qualitativ hochwertige, quellenbasierte Arbeitsweise. Die Rekonstruktion historischer Arbeitsabläufe ist dabei stets mit der Herausforderung verbunden, geeignete Quellen zu finden, die den Alltag vergangener Zeiten möglichst genau widerspiegeln.
Aufgrund seiner heutigen beruflichen Tätigkeit und seiner Leidenschaft als Inhaber des Kaiserstübchens in Grimma fasziniert ihn das Baderhandwerk besonders, da handwerkliche Tradition und sorgfältige Arbeit auch im modernen Berufsalltag eine zentrale Rolle spielen.
„Ein heizez bad vertreibt diu swære,
ein snîdendez isen bringet diu mêre.“
Ein heißes Bad vertreibt die Schwere,
ein schneidendes Eisen bringt die Heilung.
Als Quellen dienen unter anderem die Leipziger Ratsbücher (1466–1500), das Wolfegger Hausbuch sowie recherchierte Materialien der Interessengemeinschaft 14. Jahrhundert (IG14).
Das Handwerk des Sarwürkers
Die Darstellung des Sarwürkers befasst sich mit der Herstellung und Verarbeitung von Ringgeflecht, einer zentralen Form des mittelalterlichen Körperschutzes. Ringpanzer besitzen eine lange Entwicklungsgeschichte, die von der Antike bis ins europäische Mittelalter reicht, wo sie sich über viele Jahrhunderte als weit verbreitete Schutzausrüstung etablierten.
Paul hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Aspekte dieses Handwerks nach besten Kräften nachzuvollziehen. Dazu gehören sowohl das Flechten und Anpassen von Ringpanzern als auch die Arbeitsschritte vom Draht bis zum fertigen Ring. Besonders faszinierend ist für ihn die Möglichkeit, eines der zentralen Symbole des mittelalterlichen Kriegerstandes selbst herzustellen – ein Ausrüstungsstück, das in seiner Bedeutung dem Schwert kaum nachstand. Darüber hinaus steht für ihn der praktische Nutzen im Vordergrund: einen Gegenstand zu fertigen, der seinem Träger im besten Fall das Überleben auf dem Schlachtfeld ermöglichen konnte. Ein korrekt angepasster Ringpanzer soll dabei nicht nur gut aussehen, sondern funktionieren, sich bewegen lassen und „arbeiten“, wie es historische Vorbilder taten.
Eine besondere Herausforderung der Darstellung liegt im zeitlichen Aufwand. Selbst kleinere Projekte, etwa eine Ringhaube, erfordern Geduld und Ausdauer. Wer ein Werk vollständig umsetzen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich um einen langfristigen Prozess handelt. Gleichzeitig bleibt historische Genauigkeit stets eine Annäherung, da nicht alle historischen Arbeitsbedingungen vollständig reproduzierbar sind. Dennoch lassen sich mit einfachen Werkzeugen wie Zangen viele Techniken praxisnah nachvollziehen.
„Gebt acht auf eure Hände – ihr werdet sie brauchen.“
Als Quellen dienen unter anderem Dipl. Olaf Lenk: „Charakterisierung und Anwendung von flächig periodischen Metall-Ringgeflechten“ sowie die Fachseite von Mareike und Dietmar Schaal die Sarwürker.
Ministerialer als
Kanzleischreiber
In dieser Darstellung verkörpert unser Domenic einen Ministerialen, der um 1400 als Kanzleischreiber im Dienst eines weltlichen oder geistlichen Herrn tätig ist. Ministeriale entstammten ursprünglich dem unfreien Dienstadel, hatten sich jedoch bis zum späten Mittelalter vielfach zu einem anerkannten niederen Adel entwickelt und übernahmen verantwortungsvolle Aufgaben in Verwaltung und Recht. Als Kanzleischreiber war der Ministerialer Teil der herrschaftlichen Kanzlei. Zu seinen Tätigkeiten gehörten das Abfassen von Urkunden und Briefen, das Führen von Registern und Rechnungen sowie die schriftliche Vorbereitung rechtlicher Vorgänge. Schreib- und Lesefähigkeit, organisatorisches Geschick und ein sicheres Auftreten waren grundlegende Voraussetzungen für dieses Amt.
Domenics Darstellung legt bewusst den Schwerpunkt auf den Amtsträger und nicht auf den handwerklichen Schreiber. Kleidung, Ausrüstung und Auftreten sind daher hochwertig und standesgemäß. Das Schreiben ist hier kein Gewerbe, sondern Ausdruck von Verantwortung, Vertrauen und Teilhabe an der Ausübung von Herrschaft.
"Verba volant, scripta manent"
Worte verfliegen, Geschriebenes bleibt
Dabei bedient sich Domenic unter anderem folgender zentraler Quellen und Vergleichsbeispiele:
Wenzelsbibel (um 1390–1400): Miniaturen mit Schreib- und Kanzleiszenen, die Einblicke in Arbeitsumgebung, Schreibgeräte und höfisch-administrative Praxis geben.
Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen (ab 1425), insbesondere das Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung: Ikonographische Vergleichsquellen für Kleidung, Auftreten und Arbeitsmittel schriftkundiger Amtsträger.
Der Schildmaler (um 1400)
In dieser Darstellung verkörpert Richard einen Schildmaler im deutschsprachigen Raum um das Jahr 1400. Der Schildmaler war ein spezialisierter Handwerker, der Schilde mit Wappen, Farben und Zeichen versah und damit maßgeblich zur Identität und Repräsentation seines Auftraggebers beitrug. Schildmaler arbeiteten für Ritter, Ministeriale, niederadlige Gefolgsleute, Städte und geistliche Herren. Ihre Erzeugnisse dienten sowohl dem Einsatz im Kampf als auch repräsentativen Zwecken, etwa bei Turnieren, feierlichen Aufzügen oder zur Ausstattung von Rüstkammern. Die Gestaltung folgte festen heraldischen Regeln, erforderte jedoch zugleich handwerkliche Präzision und ein sicheres Gespür für Proportion und Farbwirkung.
Richard zeigt den Schildmaler als Handwerker, dessen Arbeitsschritte klar nachvollziehbar sind. Der Schild besteht in der Regel aus Holz und ist mit Leinen oder Leder überzogen. Nach dem Aufbringen eines Kreidegrundes werden die Farben mit Pinseln aufgetragen. Verwendet werden mineralische und pflanzliche Pigmente, gebunden mit Leim oder Ei. Eine abschließende Schutzschicht kann den Schild widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und Abnutzung machen. Im Gegensatz zu Buch- oder Tafelmalern war der Schildmaler fest im handwerklichen Umfeld verankert. Er arbeitete häufig in einer Malerwerkstatt oder als Teil einer Malerzunft und fertigte seine Arbeiten im direkten Auftrag an. Seine Tätigkeit verband praktischen Nutzen mit klaren gestalterischen Vorgaben und war eng mit der Welt von Waffen, Rüstung und Heraldik verknüpft.
Richards Darstellung macht diesen Beruf greifbar und zeigt, welche Bedeutung Farbe, Zeichen und Symbole im späten Mittelalter hatten. Der Schildmaler steht dabei exemplarisch für eine Zeit, in der Identität, Rang und Zugehörigkeit sichtbar gemacht wurden.
"Insigne tuum opus meum est"
Dein Zeichen/Wappen ist mein Werk/Arbeit
Als Quellen dienen unter anderem Il Libro dell’Arte, ein zeitgenössischer Malereitraktat des späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts mit detaillierten Anleitungen zu Maltechniken, Pigmenten, Bindemitteln und Grundierungen. Ergänzend wird das Straßburger Kunstbuch herangezogen, eine deutsche Rezept- und Handwerkshandschrift des 14. Jahrhunderts, die praktische Anweisungen zu Farben, Leimen und Firnissen enthält. Eine weitere wichtige Quelle ist das Wolfenbütteler Musterbuch, eine kunsthandwerkliche Handschrift des 15. Jahrhunderts, die heute in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel aufbewahrt wird.
Der Geschichtenerzähler
Der Badermeister Hans Wymundt ist gelegentlich auch als Geschichtenerzähler unterwegs. Im deutschsprachigen Mittelalter gehörte das mündliche Erzählen von Geschichten fest zur alltäglichen Kommunikations- und Unterhaltungskultur. Neben dem Erzählen im familiären oder dörflichen Umfeld traten insbesondere die Spielleute (mhd. spil(li)ute, lat. häufig joculatores) als fahrende Unterhalter auf Märkten, Festen und im Umfeld von Höfen in Erscheinung. Sie boten nicht nur Musik und Tanz, sondern auch erzählerische Darbietungen.
Zum Repertoire zählte das Vortragen sogenannter mære, also erzählwürdiger Stoffe wie Schwänke, Lehrgeschichten, Legenden oder Heldenerzählungen. Die Predigtliteratur des 13. Jahrhunderts belegt die große Verbreitung solcher Vortragender, indem sie wiederholt die Beliebtheit weltlicher Kurzweil gegenüber der Predigt kritisiert.
Für eine historische Darstellung lässt sich der Geschichtenerzähler daher plausibel als fahrender Spielmann oder mære-sager fassen, der Geschichten performativ mit Stimme, Gestik und gegebenenfalls musikalischer Begleitung vorträgt. Solche Darbietungen fanden vor allem auf Markt- und Festplätzen statt, konnten aber auch als Kurzweil in wohlhabenderen Haushalten auftreten.
Bildquellen wie die Miniaturen der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse, ca. 1300–1340) verdeutlichen die enge Verbindung von Vortrag, Musik und sozialer Inszenierung.



















