Vielschichtige Darstellungen des Mittelalters

Als Verein haben wir uns bewusst nicht auf ein festes historisches Jahr oder eine einzelne Epoche festgelegt. Stattdessen spezialisieren sich unsere Mitglieder individuell auf Darstellungen aus dem Früh, Hoch oder Spätmittelalter. Dieser Ansatz ermöglicht es uns, historische Entwicklungen über mehrere Jahrhunderte hinweg nachvollziehbar darzustellen.

Besonders sichtbar wird dies beispielsweise in der Entwicklung von Kleidung, Ausrüstung und Alltagsgegenständen innerhalb unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten. So können Veränderungen in Mode, Handwerk und Lebensweise anschaulich gezeigt und interessierten Besuchern verständlich erläutert werden.

Darstellung des Frühmittelalters

Die Darstellung des Frühmittelalters basiert auf zeittypischer Kleidung, Ausrüstung und handwerklichen Tätigkeiten sowie auf gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen dieser Epoche. Regionale Unterschiede und historische Quellen bilden die Grundlage der Darstellung.

Darstellung des Hochmittelalters

Im Hochmittelalter stehen gesellschaftliche Ausdifferenzierung sowie die Weiterentwicklung von Kleidung, Ausrüstung, Handel und Handwerk im Mittelpunkt. Die Darstellungen zeigen unterschiedliche soziale Rollen innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft.

Darstellung des Spätmittelalters

Die Darstellungen des Spätmittelalters sind geprägt von einer großen Vielfalt an Mode, Ausrüstung und sozialer Repräsentation. Städtische Strukturen sowie differenzierte zivile und militärische Rollen verdeutlichen den Wandel dieser Zeit.

Darstellungen innerhalb unseres Vereins

Innerhalb der Wettiner Löwen beschäftigen sich unsere Mitglieder mit unterschiedlichen historischen Zeitstellungen und sozialen Rollen des Mittelalters. Jede Darstellung basiert auf individueller Recherche und orientiert sich an verfügbaren Quellen wie archäologischen Funden, zeitgenössischen Abbildungen, Grabplatten oder schriftlichen Überlieferungen.

Die folgenden Abschnitte geben einen Einblick in die verschiedenen Darstellungen innerhalb unseres Vereins. Sie zeigen exemplarisch, mit welchen Zeiträumen, sozialen Rollen und Ausstattungen sich unsere Mitglieder beschäftigen und wie unterschiedlich mittelalterliche Lebenswelten gewesen sein können.

Im weiteren Verlauf dieser Seite finden sich Beispiele aus unserer Gruppe, die unterschiedliche Darstellungen und ihre jeweilige historische Einordnung zeigen.

Frühmittelalterliche Darstellung

Das Frühmittelalter bezeichnet in der europäischen Geschichtsforschung in der Regel den Zeitraum von etwa der Mitte des 6. Jahrhunderts bis in das 11. Jahrhundert. Es bildet die Übergangsphase zwischen der Spätantike und dem Hochmittelalter. In Mitteleuropa ist diese Epoche unter anderem durch die Herrschaft der Merowinger und später der Karolinger geprägt sowie durch die Herausbildung frühmittelalterlicher Herrschafts- und Gesellschaftsstrukturen.

Unsere frühmittelalterlichen Darstellungen orientieren sich an diesen archäologischen Funden sowie an der aktuellen archäologischen und historischen Forschung. Ziel ist es, Kleidung, Ausrüstung und Lebensweise möglichst nachvollziehbar und quellenbasiert zu rekonstruieren.

Eric und Patricia

Die Darstellung von Patricia und Eric orientiert sich an archäologischen Funden aus dem frühmittelalterlichen Reihengräberfeld von Weismain-Seelitzen in Oberfranken. Dieses Gräberfeld wird in das späte 8. und frühe 9. Jahrhundert datiert und liefert wichtige Hinweise auf Kleidung, Schmuck und Bewaffnung der Bevölkerung dieser Region und Zeit.

 

Ziel der Darstellung ist es, Kleidung und Ausrüstung möglichst auf Grundlage konkreter Grabfunde zu rekonstruieren.

 

"Uns reizt an dieser Darstellung besonders, dass archäologische Funde dadurch wieder sichtbar und erlebbar werden. Durch Kleidung, Schmuck und Ausrüstung entsteht ein lebendiger Eindruck davon, wie Menschen vor über 1200 Jahren in dieser Region gelebt haben könnten."

Eine Familie dem Fränkischen Herrschaftsraum (Karolingerzeit) mit regionalen slawischen Einflüssen

Männliche Darstellung

Die männliche Darstellung orientiert sich an Grab 3 desselben Gräberfeldes, einer Kriegerbestattung aus dem späten 8. Jahrhundert.

Zu den Grabbeigaben gehörten ein Schwert, Sporen sowie ein Holzeimer. Diese Ausstattung deutet auf einen bewaffneten freien Mann oder Krieger hin.

 

Die Darstellung zeigt typische Elemente dieser Zeit: Wolltunika, Mantel mit Fibel, Gürtel mit Messer sowie Bewaffnung mit Speer, Rundschild und Schwert.

 

Am Gürtel wird außerdem ein Svantovit-Anhänger getragen. Svantovit war eine bedeutende Gottheit der westslawischen Religion und wurde besonders als Gott des Krieges, der Fruchtbarkeit und des Orakels verehrt. Der Anhänger greift diese religiöse Tradition auf und verweist auf die spirituelle Welt der slawischen Bevölkerung des Frühmittelalters.

Weibliche Darstellung

Die weibliche Gewandung basiert auf Grab 53 aus Weismain-Seelitzen, in dem eine etwa 19-jährige Frau bestattet wurde. Die Beisetzung datiert um oder kurz nach 800 n. Chr.

 

Ein besonderes Highlight sind zwei Paare Schläfenringe mit rhombischen Anhängern, die seitlich am Kopf getragen wurden. Ergänzt wird die Ausstattung durch ein Messer sowie einen geböttcherten Holzeimer als Grabbeigabe.

 

Die Kleidung besteht aus Wolle und Leinen und umfasst ein Leinenunterkleid, ein Wollkleid, einen Mantel mit Fibel sowie den für diese Zeit typischen Kopfschmuck.

Hochmittelalterliche Darstellung

Das Hochmittelalter bezeichnet in der europäischen historischen Forschung in der Regel den Zeitraum vom 11. bis zum 13. Jahrhundert. Es folgt auf das Frühmittelalter und ist durch tiefgreifende gesellschaftliche und politische Entwicklungen geprägt. In Mitteleuropa ist diese Epoche unter anderem durch das Erstarken des Lehnswesens, die zunehmende Bedeutung des Rittertums sowie durch den Ausbau territorialer Herrschaften gekennzeichnet. Auch Städte, Handel und Handwerk gewannen in dieser Zeit zunehmend an Bedeutung.

Die Darstellungen innerhalb unseres Vereins orientieren sich an archäologischen Funden, zeitgenössischen Bildquellen und schriftlichen Überlieferungen dieser Epoche. Auf dieser Grundlage versuchen wir, Kleidung, Ausrüstung und Lebenswelt des Hochmittelalters möglichst anschaulich und fundiert darzustellen.

Paul

Die Darstellung basiert auf verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen, zeitgenössischen Bildquellen sowie archäologischen Funden. Als Grundlage dienen unter anderem die Werke Milites Templi - Leben und Ausrüstung der dienenden Brüder des Templerordens um 1190, Kleidung im Mittelalter - Materialien, Konstruktion und Nähtechniken sowie Kleidung & Waffen der Früh- und Hochgotik, 1150-1320. Ergänzend werden die archäologischen Publikationen Textiles and Clothing 1150-1450. Finds from Excavations in London und Dress Accessories c.1150-c.1450. Finds from Excavations in London herangezogen.

 

Als wichtige bildliche Quellen dienen außerdem die Maciejowski-Bibel (auch Kreuzfahrerbibel oder Morgan-Bibel genannt) sowie der Teppich von Bayeux. Für die Rekonstruktion einzelner Kleidungsstücke werden zudem archäologische Textilfunde wie die Kragelund-Tunika, die Moselund-Tunika sowie die Kutte des heiligen Franziskus berücksichtigt.

 

"Das Hochmittelalter ist für mich besonders faszinierend, da in dieser Zeit vieles entsteht, was wir heute mit dem Mittelalter verbinden. Auch die politische Situation dieser Epoche ist äußerst spannend. Ereignisse wie der Investiturstreit, das angevinische Reich, das Aufkommen des Kreuzzugsgedankens, der allmähliche Niedergang des Byzantinischen Reiches, die frühen Erfolge und Rückschläge der Reconquista sowie eine erste Phase verstärkter Urbanisierung im Westen Europas prägen diese Zeit."

Ein dienenden Bruder des Ritterordens der Armen Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem

Darstellung

Wie bei allen geistlichen Orden dieser Zeit waren Ausstattung und Lebensweise der Brüder in der jeweiligen Ordensregel festgelegt. Die konkrete Ausgestaltung der einzelnen Kleidungsstücke orientierte sich jedoch meist an der Mode der jeweiligen Zeit. Vorschriften betrafen in der Regel vor allem Farbe, Material und Webtechnik der Kleidung.

 

Als Unterkleidung trägt Paul eine knielange Bruche sowie ein Unterhemd, das nahezu die gleiche Länge besitzt. Diese Unterkleidung besteht aus Leinen. Darüber trägt er lange braune Beinlinge aus Wolle sowie eine bodenlange Tunika aus schwarzer Wolle. Auch die Gugel und der Umhang sind aus schwarzer Wolle gefertigt.

 

Die dienenden Brüder bildeten neben den Ritterbrüdern das militärische Rückgrat des Templerordens. Während Ritterbrüder ausschließlich aus bereits zum Ritter geschlagenen Adligen rekrutiert wurden, war die soziale Zusammensetzung der dienenden Brüder deutlich vielfältiger. Sie reichte von niederen Adligen ohne Ritterschlag bis hin zu ehemaligen Bürgern. Entsprechend unterschiedlich waren auch ihre Aufgaben. Neben dem Training unter Waffen übernahmen sie unter anderem Botengänge, Verwaltungsaufgaben innerhalb der Komtureien sowie verschiedene handwerkliche Tätigkeiten.

 

"Für mich spiegelt besonders der Dritte Kreuzzug die Vielschichtigkeit dieser Epoche wider. Zugleich ist kaum etwas so eng mit der Idee des Kreuzzugs verbunden wie der Templerorden. Aus diesem Grund konzentriert sich meine Darstellung auf einen dienenden Bruder des Templerordens um das Jahr 1190."

Spätmittelalterliche Darstellung

Das Spätmittelalter bezeichnet in der europäischen historischen Forschung in der Regel den Zeitraum vom 14. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert. Es schließt an das Hochmittelalter an und ist von tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik geprägt. In Mitteleuropa zeigen sich unter anderem eine zunehmende Differenzierung der sozialen Strukturen, die wachsende Bedeutung der Städte sowie ein Wandel im Kriegswesen und in der höfischen Kultur.

Die Darstellungen innerhalb unseres Vereins stützen sich auf archäologische Funde, bildliche Darstellungen sowie schriftliche Quellen aus dieser Zeit. Auf dieser Grundlage entsteht eine möglichst differenzierte Annäherung an Kleidung, Ausrüstung und Alltagsleben des Spätmittelalters, die die Vielfalt und Dynamik dieser Epoche widerspiegelt.

Teddy

Teddy widmet sich der Darstellung von Wilhelm I., dem Einäugigen, Markgraf von Meißen aus dem Hause der Wettiner. Dieser prägte die Geschichte Mitteldeutschlands im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert maßgeblich. Nach innerfamiliären Auseinandersetzungen innerhalb der wettinischen Linien gelang es ihm, seine Herrschaft zu festigen und die territoriale Stellung der Markgrafschaft Meißen auszubauen.

 

In seinen späteren Regierungsjahren, insbesondere um das Jahr 1400, konzentrierte sich Wilhelm vor allem auf die Sicherung von Ordnung und Verwaltung in seinem Herrschaftsgebiet sowie auf die Stabilisierung der landesherrlichen Macht. Er verstarb im Jahr 1407.

 

Eine authentische, zeitgenössische Porträtdarstellung Wilhelms I. ist nicht überliefert. Dennoch lässt sich sein Erscheinungsbild annähernd rekonstruieren. Grundlage hierfür bilden vor allem seine Grabplatte im Meißner Dom sowie erhaltene Siegel, ergänzt durch schriftliche Quellen und den Vergleich mit zeittypischen Darstellungen von Fürsten des 14. Jahrhunderts.

Diese Darstellungen zeigen ihn weniger als individuelle Persönlichkeit, sondern vielmehr als idealisierten, ritterlich geprägten Landesherrn. Dieses Bild wird durch seinen Beinamen „der Einäugige“ um ein seltenes persönliches Merkmal ergänzt.

Wilhelm I., der Einäugige (1343–1407), Markgraf von Meißen

Darstellung

Die Darstellung vermittelt anschaulich, wie ein hochadeliger Fürst wie Wilhelm I., der Einäugige, um das Jahr 1400 gekleidet gewesen sein könnte. Er trägt ein reich verziertes Obergewand aus kostbaren Stoffen in kräftigem Rot, das seinen hohen Rang unterstreicht. Der dekorativ gestaltete Schulterbereich mit goldenen Elementen entspricht der repräsentativen Kleidung des Adels dieser Zeit.

 

Die auffällige blaue Kopfbedeckung folgt der höfischen Mode des späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts und verdeutlicht den Einfluss modischer Entwicklungen an den Fürstenhöfen. Auch die eng anliegenden Beinlinge sowie die spitz zulaufenden Schuhe entsprechen dem zeitgenössischen Stil.

 

Das präsentierte Wappen mit dem Löwen verweist auf die Stellung als Landesherr und macht die politische Bedeutung der dargestellten Person sichtbar.

 

Grundlage für diese Darstellung bilden vor allem bildliche Darstellungen des späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts, darunter höfische Szenen in Handschriften wie der Wenzel-Bibel sowie Darstellungen des Adels auf Grabplatten, etwa im Meißner Dom, und auf zeitgenössischen Siegeln der Wettiner. Ergänzt werden diese durch ikonographische Vergleiche mit weiteren Fürstendarstellungen dieser Zeit, die Rückschlüsse auf Kleidung, Farbwahl und repräsentative Elemente erlauben, auch wenn keine gesicherten Porträts Wilhelms I. überliefert sind.

 

Insgesamt vermittelt die Kleidung ein eindrucksvolles Bild höfischer Repräsentation um 1400 und zeigt, wie stark Kleidung im Mittelalter Ausdruck von Macht, Status und Identität war.

Darstellung Wilhelm I., der Einäugige
Hochadeliger und reichsunmittelbarer Krieger aus der Markgrafschaft Meißen um 1400
 

Die dargestellte Ausrüstung orientiert sich an einem typischen ritterlichen Harnisch des ausgehenden 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Charakteristisch ist eine sogenannte Beckenhaube (Bascinet) mit angesetztem Hundsgugelvisier sowie einem Ringpanzeraventail, welches den Hals- und Schulterbereich schützt. Der Körperschutz besteht aus einem Übergangsharnisch, der Elemente des älteren Ringpanzers mit zunehmend entwickelten Plattenteilen kombiniert. Hierzu zählen insbesondere Brust- und Rückenplatten (Kürass), Armröhren mit Ellbogenkacheln sowie Beinröhren mit ausgeprägten Kniekacheln.

 

Die Rekonstruktion des Harnischs orientiert sich an erhaltenen Originalstücken, insbesondere an Rüstungen aus der Sammlung der Churburg (Südtirol), einer der bedeutendsten Sammlungen spätmittelalterlicher Waffen und Rüstungen Europas (Thomas, Bruno: Die Rüstkammer der Churburg. Katalog der Sammlung auf Schloss Churburg. Graz 1962.). Diese Stücke zeigen exemplarisch den Entwicklungsstand der Plattenrüstung um 1400, wobei zu berücksichtigen ist, dass viele erhaltene Harnische aus späteren Zusammenstellungen bestehen und nicht immer als ursprünglich vollständige Garnituren überliefert sind.

 

Als Bewaffnung führt die Darstellung einen Spieß für den Einsatz im Gefecht sowie eine sogenannte Tartsche, einen im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Schildtyp des Spätmittelalters. Ergänzt wird die Ausrüstung durch ein Langschwert, welches sowohl als Seitenwaffe im Gefecht als auch im Kontext der zeitgenössischen Fechtkunst (vgl. Liechtenauer-Tradition) Verwendung fand.

 

Da keine zeitgenössischen Bildnisse Wilhelms I. des Einäugigen (1343–1407), Markgraf von Meißen aus dem Hause Wettin, überliefert sind, basiert die Darstellung auf vergleichbaren Quellen aus dem böhmisch-deutschen Kulturraum. Hierzu zählen unter anderem die Bildhandschrift der Wenzelsbibel sowie Konrads Kyesers „Bellifortis“. Ergänzend wurden sepulkrale Darstellungen, insbesondere die Grabfigur Friedrichs I. von Praunheim-Sachsenhausen in der Basilika St. Kastor in Koblenz, herangezogen, da diese eine hohe Detailtreue in der Wiedergabe zeitgenössischer Rüstungsausstattung aufweisen.

 

Die dargestellte Ausrüstung ist somit als eine quellenbasierte, typologische Annäherung an die ritterliche Erscheinung eines hochadeligen Kriegers aus der Markgrafschaft Meißen um das Jahr 1400 im Kontext des Heiligen Römischen Reiches zu verstehen.

Marlen und Rocco

Als Grundlage der Darstellung dienen vor allem Vorlagen aus dem Stundenbuch des Duc de Berry, insbesondere die Kalenderblätter der Monate Februar, Juni und September. Ergänzt werden diese durch weitere zeitgenössische Bildquellen, die Bedienstete, Bauern und Bäuerinnen zeigen.

 

Die Darstellung ist zeitlich im Spätmittelalter um 1470 einzuordnen. Marlen und Rocco versuchen, die Kleidung dieser Zeit nicht nur optisch, sondern auch in ihrer praktischen Funktion nachzuvollziehen und anschaulich zu zeigen, wie alltagstauglich sie für körperlich anstrengende Arbeiten gewesen sein könnte.

 

Die Idee, die beiden als Liebespaar darzustellen, entstand während des Shootings selbst. Die Körperhaltung und das Zusammenspiel orientieren sich dabei an ikonographischen Vorbildern des späten Mittelalters, insbesondere an Darstellungen aus Stundenbüchern wie dem des Duc de Berry sowie an weiteren zeitgenössischen Miniaturen.

 

In diesen wird Nähe selten durch direkte körperliche Berührung gezeigt, sondern vielmehr durch Zuwendung, Blickkontakt und einfache Gesten ausgedrückt. Diese zurückhaltende Form der Darstellung spiegelt sich auch in der Inszenierung wider. Die Figuren begegnen sich auf Augenhöhe, in einer Mischung aus Alltag und Beziehung, wie sie in vielen Bildquellen des 15. Jahrhunderts zu finden ist.

 

So entsteht ein Eindruck von Nähe, der ohne moderne Inszenierung auskommt und dennoch für heutige Betrachter nachvollziehbar bleibt.

Ein spätmittelalterliches Liebespaar

Weibliche Darstellung

Die weibliche Darstellung orientiert sich an spätmittelalterlicher Alltagskleidung um das Jahr 1470 und zeigt bewusst eine arbeitsorientierte Gewandung, wie sie für körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten typisch gewesen sein könnte.

 

Das dunkelblaue Kleid weist mehrere charakteristische Merkmale dieser Zeit auf. Besonders gut erkennbar sind die vordere, gerade Schnürung, die verkürzten Ärmel sowie der kurze Schleier, der als Kopfbedeckung getragen wird. Die Ärmel des Unterkleides sind aus hellem Stoff gefertigt, liegen nicht eng an und lassen sich bei Bedarf hochkrempeln, was die praktische Nutzung im Arbeitsalltag unterstreicht.

 

Das Kleid wird gegürtet und hochgerafft getragen, wobei der Saum vorne in den Gürtel gesteckt wird. Diese Trageweise erleichtert die Bewegung und verhindert, dass der Stoff bei der Arbeit stört oder verschmutzt.

Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Überlegung, dass auch im Mittelalter Kleidung in erster Linie funktional und alltagstauglich gewesen sein muss. Die Unterkleidung besteht aus Leinen, Barchent oder Baumwolle, je nach regionaler Verfügbarkeit. Die Oberbekleidung ist aus Wolltuch gefertigt, während stärker beanspruchte oder verschmutzungsanfällige Bereiche bewusst aus Leinen bestehen, da dieses Material leichter zu reinigen ist.

 

Gleichzeitig wird deutlich, dass auch einfache Kleidung modischen Einflüssen unterlag. So verfügt das Kleid über Wechselärmel, und die Schnittführung ist leicht tailliert. Abgerundet wird die Darstellung durch einfache Lederschuhe sowie Trippen, die den praktischen Anforderungen des Alltags entsprechen.

 

Die Gewandung folgt damit nicht nur ikonographischen Vorbildern, sondern setzt bewusst einen Schwerpunkt auf die praktische Nutzung im Arbeitskontext. In diesem Sinne gilt auch der Leitgedanke der Darstellung:

„Das ist ein Arbeitskleid. Da sollte man auch zeigen, wie es bei der Arbeit aussieht.“

Männliche Darstellung

Die männliche Darstellung orientiert sich an Bildvorlagen aus dem Stundenbuch des Duc de Berry, die als Grundlage für Roccos Kleidung dienen. Ergänzend fließen Darstellungen aus dem Gothaer Codex des Hans Talhoffer (um 1470) ein, die Hinweise auf zeitgenössische Kleidung und deren praktische Nutzung geben.

 

Rocco trägt eine Unterkleidung aus Leinen, darüber eine Schecke aus Wolle sowie eine Beinkleidung, die die Übergangsphase der Herrenmode im Spätmittelalter widerspiegelt. Um 1470 befand sich die Mode im Wandel von getrennten Beinlingen hin zu einer geschlossenen Hose.

 

Seine Beinkleidung greift genau diesen Übergang auf: Die verlängerten Beinlinge sind im hinteren Bereich verbunden und vorne offen gearbeitet. Sie werden über einen Tunnelzug gebunden, wodurch auf ein Wams verzichtet werden kann. Diese Konstruktion sorgt für eine größere Bewegungsfreiheit und ist besonders für praktische Tätigkeiten wie Kochen oder handwerkliche Arbeiten geeignet.

Ergänzt wird die Darstellung durch einen Ledergürtel mit angesetzter Tasche, wie er für den Alltag typisch war.

 

Wie auch bei der weiblichen Darstellung steht die Funktionalität der Kleidung im Vordergrund. Die gewählte Ausführung folgt der Annahme, dass Kleidung im Spätmittelalter nicht nur modischen, sondern vor allem praktischen Anforderungen gerecht werden musste.

 

Oder, wie es sich in der Darstellung zusammenfassen lässt:

„Die Menschen damals waren nicht unpraktisch - ihre Kleidung war funktional und auf den Alltag abgestimmt.“

Domenic

Domenic stellt einen Ministerialen und Niederadeligen aus dem Raum Altenburg um das Jahr 1400 dar. Als Angehöriger des niederen Adels nimmt diese Figur eine wichtige Stellung innerhalb der spätmittelalterlichen Herrschaftsordnung ein. Ministeriale standen im Dienst eines Landesherrn, hier des Markgrafen von Meißen, und fungierten als Bindeglied zwischen fürstlicher Herrschaft und lokaler Bevölkerung.

 

In dieser Rolle übernimmt Domenic die Aufgaben eines Verwalters und Schreibers. Mit Federkiel und Eisengallustinte fertigt er Berichte, Urkunden und Verwaltungsdokumente an. Er organisiert die Verwaltung der Ländereien, überwacht Abgaben und sorgt für die Weitergabe landesherrlicher Anordnungen. Damit verkörpert er die Schnittstelle zwischen zentraler Herrschaft und deren Umsetzung vor Ort.

 

Altenburg gehörte um 1400 zu den wirtschaftlich bedeutenderen Städten der Region. Die Lage an wichtigen Handelsverbindungen begünstigte den Austausch von Waren und trug maßgeblich zum Wohlstand der Stadt bei. Neben Handwerk und regionalem Handel spielte auch der überregionale Austausch eine wichtige Rolle.

 

Besonders hervorzuheben ist der Handel mit Safran, einem der kostbarsten Güter des Mittelalters. Safran wurde nicht nur als Gewürz, sondern auch als Färbemittel und in der Medizin verwendet und erzielte entsprechend hohe Preise. Altenburg ist als ein Ort belegt, an dem Safran gehandelt wurde, was auf eine ausgeprägte wirtschaftliche Bedeutung und überregionale Vernetzung hinweist.

Ministerialer und Niederadeliger aus dem Raum Altenburg um 1400

Darstellung

Die Kleidung spiegelt den gehobenen, jedoch nicht fürstlichen Status eindrucksvoll wider. Das reich gemusterte Obergewand mit floralen Motiven orientiert sich an der höfischen Mode des späten 14. Jahrhunderts und verweist auf Wohlstand sowie die Nähe zu adeligen Lebensformen, wie sie unter anderem in Handschriften wie den Grandes Chroniques de France (Paris, Bibliothèque nationale de France, MSS Français 10135, fol. 412v) sowie in der Weltchronik Heinrichs von München (1416) dargestellt sind.

 

Der rote Mantel fungiert als repräsentatives Element und unterstreicht die gesellschaftliche Stellung sowie die Autorität seines Trägers. Als sogenannter Radmantel zeichnet er sich durch seinen halbkreisförmigen Schnitt aus, der einen fließenden Fall des Stoffes ermöglicht und besonders im höfischen Kontext verbreitet war.

 

Die auffällige Kopfbedeckung mit Feder und Schmuck folgt zeitgenössischen Modetrends und verdeutlicht das Bestreben, sich auch äußerlich als Teil der gehobenen Schicht zu präsentieren. Ergänzt wird dieses Erscheinungsbild durch eine dekorative Kette sowie eine sorgfältig gearbeitete Gürteltasche.

 

Diese Gürteltasche erfüllt dabei nicht nur repräsentative, sondern auch praktische Funktionen. Sie enthält unter anderem eine Wachstafel mit Griffel, die es ermöglicht, Notizen, Abrechnungen oder Entwürfe von Schreiben unmittelbar festzuhalten und bei Bedarf wieder zu glätten und neu zu beschreiben.

 

Auch die eng anliegende Beinbekleidung und das Schuhwerk entsprechen dem Stil um 1400 und zeigen eine Verbindung von Funktionalität und modischem Anspruch. Insgesamt entsteht so das Bild einer Person, die sich sicher im Spannungsfeld zwischen Adel und städtischer Lebenswelt bewegt.

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